Archiv für Mai 2009

Privilegien

Samstag, 23. Mai 2009

Das ist ja das Lieblingswort vom Frauchen - Privilegien. Alles dreht sich darum, wenn es um mich geht. Zumindest kriegt man den Eindruck, wenn man sich mal ein bisschen mit ihr darüber unterhält. Mit mir will sie darüber nicht reden, ich hab schon beinah vergessen was das eigentlich ist.

Ohne Leine laufen ist ein Privileg. Den Ball jagen ist ein Privileg. Mit anderen Hunden toben ist ein Privileg. Und seit gestern weiß ich - alleinbleiben ist auch ein Privileg.

Na ja, mehr oder weniger.

Also normalerweise ist es so, dass ich die ganze Wohnung für mich habe, wenn ich allein bin. Wirklich die ganze Wohnung. Ich darf hingehen wohin ich will, ich kann in jedem Zimmer schlafen und alles ist super.

Aber seit gestern Vormittag ist das nicht mehr so.

Das Frauchen machte meinen Napf voll, damit ich was zu fressen habe und ging dann mit Julian schwimmen. Ich hatte wieder die ganze Wohnung für mich allein, was ja ein Privileg sein soll. Also auch die Küche, wo ich gefressen habe.

So ein Napf voll Futter reicht mir aber nicht, ich bin schließlich ein Kormi. Und da hing direkt neben meinem Napf an dem Schrank ein Müllbeutel, aus dem es sooo toll duftete. Da war eine Frikadelle drin.

Und die hab ich mir geklaut und deswegen den ganzen Müllbeutel ausgeräumt. Die Gurkenschalen überall verteilt, wer braucht schon Gurken und die zwei Joghurtbecher schön ausgeleckt.

Als das Frauchen wiederkam, sagte sie nichts. Sie hat mich nur zurück in den Flur geschickt und sauber gemacht. Den Müllbeutel dann in den Schrank gepackt.

Sie hat ja nichts gesagt, alles so gemacht wie immer, also konnte ich ja nichts verkehrt gemacht haben. Gut, schon als sie wiederkam wusste ich nicht mehr, dass ich das mit dem Müll gewesen war.

Nur, Nachmittags hat sie dann nochmal die Tasche gepackt und ist mit Julian weggefahren. Aber diesmal hatte ich nicht die ganze Wohnung für mich.

Ich hatte nur noch den Flur und die Treppe. Ich konnte nur im Flur schlafen.

Aber ich hab nicht geschlafen, ich hab die ganze Zeit gewacht, wann sie wiederkommen. Und als sie wieder da waren, da war ich so erschlagen vom wachen, dass ich geschlafen habe und kaum geweckt werden konnte.

Tja, alleinbleiben ist wohl doch ein Privileg, wenn man die ganze Wohnung für sich allein haben kann. Und man sollte keine Frikadellen aus offenen Müllbeuteln holen, wenn man das Privileg behalten will. So ist das wohl.

Im Paradies

Dienstag, 12. Mai 2009

Ich bin tot und lebe jetzt im Paradies. Aber sowas von.

Angefangen hat das alles schon am Samstag. Also erstmal dachte ich ich komme in die Hölle, weil das Frauchen den Cookie einfach weggegeben hat und weil ich dann später dachte, dass sie mich und Julian einfach so bei Hiltrud lässt.

Aber dann bin ich im Paradies gelandet, wirklich.

Ich wurde gestreichelt, von Hiltrud und von Brigitte und dann wurde ich mit Pommes gefüttert! Mit POMMES und das Frauchen hat keine Macht - KEINE das zu unterbinden. Das musste einfach das Paradies sein.

Die Hiltrud hat dem Frauchen bestimmt eine Gehirnwäsche verpasst, damit ich lebe wie im Paradies. Heute war nämlich ein ganz ganz toller Tag.

Wir sind morgens genau da lang gegangen, wo ich wollte im Feld. Danach bekam ich einen vollen Napf und weil ich dann noch Hunger hatte, hab ich noch nen Stück Brot bekommen und einen halben Becher Joghurt.

Das war ja schon super und dann ging es noch besser weiter.

Wir sind an den Rhein gefahren und ich konnte buddeln und baden und wieder buddeln und mich wälzen und wieder baden und schwimmen und buddeln und Steine jagen und und und.

Danach hat das Frauchen mich trocken gerubbelt und gebürstet und wieder gerubbelt und wir sind nach Hause gefahren.

Ich hatte aber wieder Hunger, also ist das Frauchen stehen geblieben und hat einen Döner und Pommes gekauft, die ich dann  nachher auch fressen durfte.

Guuut, so stimmt das jetzt ja auch nicht. Ich hab ein bisschen von dem Fladenbrot bekommen, ein Stückchen Fleisch und eine Fritte, das war es dann auch schon.

Aber - ich hab was von dem Döner gefressen und jetzt werde ich mich hinlegen und mich richtig ausschlafen und dann mal sehen was mir heute Nachmittag noch einfällt, damit das Frauchen das dann mit mir machen muss.

Ich bin schließlich im Paradies - das muss ich dann doch ausnutzen, wenn ich jetzt vollends bestimme was hier vor sich geht und was nicht.

Das Frauchen

Samstag, 09. Mai 2009

Also manchmal da ist das Frauchen ganz nett. Da bekomme ich die Reste aus der Thunfischdose oder ein Stück Gurke oder Möhre oder sowas.

Und manchmal da ist sie besonders nett und näht mir neue Schlafdecken. DAS wäre ja noch nicht so besonders - aber die Decken sind dreimal so dick wie normal, ich liege jetzt also immer weich, auch ohne die Decken zu knüddeln. Das ist toll. So richtig richtig weiche Decken.

Aber es gibt eben auch Tage, an denen das Frauchen ganz gemein zu mir ist. So einen Tag hatten wir diese Woche.

Wir waren alle zusammen im Feld unterwegs - Cookie, Juma, das Frauchen und der ich. Und alles war gut.

Ich fand aber, dass ich mich mal neu eindüften müsse und deswegen hab ich mich dann gleich in den Haufen mit Kranich-Mist geschmissen, den ich gefunden habe.

Irgendwie fand das Frauchen das dann aber nicht so toll und hat mich da böse rausgezogen und angeleint und wir sind nach Hause gegangen.

Nach ein paar Metern hatte ich ja schon vergessen was eigentlich los ist - zu Hause wusste ich es dann erst recht nicht mehr.

Dann führte mich das Frauchen ins Badezimmer und mir wurd schon komisch zu mute. Sowas ist nie gut.

Jepp, war dann auch wirklich nicht gut - sie hat mich in die Badewanne gehoben und angefangen zu waschen.

Erstmal nur mit Wasser, das ist ja noch erträglich. Aber dann hat sie Julian gesagt er soll mir eine Hand auf den Rücken legen, weil ich mich dann nicht schüttel und sie hat das Shampoo geholt.

Ein Waschgang, den hätte ich noch überlebt - aber ich bin ganze 5 mal gewaschen worden vom Frauchen!

Sie sagte das sei, weil das Wasser am Anfang so schwarz war wie ich. Und deswegen hat sie gewaschen bis das Wasser klar war.

Ich trau mich jetzt nicht in den Spiegel zu schauen - ich bin bestimmt mittlerweile ganz weiß und muss deswegen umbenannt werden in Fényés, weil ich ja nicht mehr so dunkel bin, was mich ja zu meinem Namen brachte.

Am gemeinsten ist aber, dass Julian mich festgehalten hat - der hat einfach mitgemacht dabei, damit ich mich nicht schüttel.

Und ich dachte dann, dass ich Ruhe hätte - weit gefehlt.

Heute morgen suchte das Frauchen mich nämlich nach Zecken ab und fand eine, die sie dann auch gezogen hat. Die erste Zecke seit 3 Jahren, die sich bei mir eingenistet hat.

Das hat geziept. So ein gemeines Frauchen.

Da hilft es auch nicht dass Cookie in ein paar Stunden vielleicht auszieht. Nein, das hilft da einfach nicht.

Gemeines Frauchen. Vielleicht rettet Hiltrud mich, wenn ich heute hinfahre zu ihr. Ganz bestimmt. Die hat bestimmt Mitleid mit mir. Ganz ganz bestimmt.